
Thomas Eich
Kampf um den Garten Gottes![]()
Roman – Hardcover – 320 Seiten
ISBN 978-3-940964-14-4
Preis: 19,90 EUR
„Unzählige Geheimnisse birgt die Schöpfung,
von denen wir Menschen nichts mehr wissen,
nicht einmal mehr etwas ahnen. Wir können
zwar vieles mit dem Verstand erklären, wodurch die
Wunder der Schöpfung für uns das Wunderbare verlieren,
aber den tieferen Sinn und die inneren Zusammenhänge
in der Natur kennen wir nicht mehr. Wir haben das Wissen verloren,
welche Herrlichkeit der Schöpfer für diese Erde bestimmt hat.“
Thomas Eich
Es war schon immer etwas Geheimnisvolles um den Grauen Forst, jenen dunklen Wald im Osten des Reiches. Seit Menschengedenken gilt er als undurchdringlich. Deshalb hat der König sich auf Drängen seiner Minister entschlossen, den Forst roden zu lassen. Doch dann kommt alles ganz anders ...
Seit ein paar Tagen geht etwas vor im Grauen Forst. Er ist wie tot. Kein Leben regt sich. Keine Vögel, keine Tiere. Kein Laut ist zu hören. Beunruhigt steht Stefan, ein Handwerksbursche aus der Gegend, am Waldrand und schaut in das dichte Gehölz. Was mag hier vor sich gehen?
An diesem Morgen bricht er auf, um ins Herz des Waldes vorzudringen. Doch was er erlebt, übersteigt alles, was er bis dahin kannte. Er verlässt den Wald mit einem Auftrag und zieht zum König. Der Graue Forst ist einer der letzten Gärten Gottes, er darf nicht abgeholzt werden. Stefan will es verhindern. Ein gefährliches Abenteuer beginnt.
Stefan kämpft nicht nur um den Erhalt des Waldes, er durchschaut auch die geistigen Hintergründe der Schöpfung, begegnet Naturgeistern und erfährt von den „Großen Brüdern“, den geistigen Helfern der Menschheit. Der „Kampf um den Garten Gottes“ ist eine unterhaltsame Geschichte voller tiefgründiger Weisheit, ein buntes Abenteuer und eine spirituelle Reise, ein äußerer Kampf und ein inneres Ringen, Lesespaß und Erkenntnisgewinn, eine abenteuerliche Geschichte und ein Aufruf zu bewusstem und ehrfürchtigem Umgang mit der Natur.
Leseprobe
Gott schafft unaufhörlich
(aus dem 13. Kapitel)
© Eich-Verlag, Thomas Eich 2009
„Mein lieber Graf“, gut gelaunt reichte der Monarch Stefan die Hand, „ich freue mich, dass Ihr meiner Einladung gefolgt seid, denn ich möchte gern mehr von Euren seltsamen Gedanken über die Natur hören. Lasst uns einen Spaziergang durch den Schlosspark machen!“
Sie verließen den Pavillon und gingen auf gepflegten Pfaden hinunter in den ausgedehnten Park. Stefan staunte über die kunstvolle Anlage. Hier musste ein Meister der Gartenkunst am Werk gewesen sein. Wie ein formvollendetes Kunstwerk lag der Garten vor ihnen und bot ein Bild feinsinniger Anmut. Nie hätte Stefan gedacht, dass man einen Garten so kunstvoll gestalten könnte. Selbst im Winter war er ein Born der Schönheit. Die Blumenbeete waren in so wundersamen Formen angelegt, dass sie im Frühjahr ein Bild malen mussten, dessen Pracht der Herrlichkeit des geschmückten Festsaals in nichts nachstehen konnte.
„Welch schönen Park könnt Ihr Euer eigen nennen“, bemerkte Stefan anerkennend, nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinanderher gegangen waren, „Im Frühjahr muss es hier herrlich sein, wenn die Blumen zu neuem Leben erwachen, ihre Düfte verströmen und ihre wundersamen Farben und Formen scheu enthüllen. Dieser Schlosspark ist Eurem Stande wahrhaft angemessen, Majestät.“
„Ach, wisst Ihr, lieber Graf, von der Farbenpracht habe ich in den letzten Jahren nicht viel zu sehen bekommen. Meine Amtsgeschäfte haben mich so sehr in Anspruch genommen, dass ich kaum einen Blick in den Garten habe werfen können. Aber nach unserem letzten Gespräch habe ich mir vorgenommen, mir einmal in der Woche Zeit zu nehmen, um mich der Schönheit der Natur hinzugeben.“
Sie gingen durch einen kleinen Ginsterhain und dann auf einer schmalen Brücke über ein kleines Bächlein.
„Wie schön die Natur doch ist!“ Versonnen blickte Stefan hinunter in das leise plätschernde Wasser, „Wie willig lässt sie sich vom Menschen formen und gestalten.“
Unwillkürlich musste er an den Wald denken, an die Herrlichkeit, die ihn dort umfangen hatte und gegen die selbst die gewagteste Gartenkunst verblassen musste.
„Doch was ist all die Schönheit Eures Parks verglichen mit der Pracht eines naturbelassenen Waldes? Ist dessen Pracht nicht viel erhabener als die eines Schlossgartens? Zeugt sie nicht vom Wirken eines viel größeren Gartenbaumeisters? Ist nicht Gott der größte Gärtner? Kann ein Mensch jemals ein solch vollendetes Ebenmaß an Harmonie schaffen, wie es sich in unberührter Natur zeigt?
Kein Mensch kann, was Gott kann. Nur Gott weiß das Leben so zu formen, dass es vollendete Einheit, Harmonie und Geschlossenheit offenbart. Gott allein ist der Herr über das Leben und Er wird es auch bleiben.“
Der König stützte sich auf das Brückengeländer und blickte ebenfalls in das leise Plätschern hinunter.
„Ich habe mich nicht in Euch getäuscht, lieber Graf. Ich wusste, dass Ihr mir noch Interessantes zu sagen habt. Aber sprecht weiter, es interessiert mich, Eure Sicht der Dinge zu hören. Was ist Gott?“
„Gott ist der Herr, der Schöpfer dieser Erde und aller Lebewesen, die auf ihr leben.“
„Was macht Euch da so sicher? Habt Ihr Ihn schon einmal gesehen? Seid Ihr Ihm schon einmal begegnet?“
Stefan musste schmunzeln.
„Seid Ihr jenen alten Meistern, deren Bilder in Eurem Schloss hängen oder deren Schriften Ihr ehrfurchtsvoll studiert, schon einmal begegnet?“
„Sicher nicht.“
„Und doch glaubt Ihr, dass sie einst gelebt haben, denn sie leben fort in ihren Werken, mögen ihre Leiber auch schon lange dem Tod anheimgefallen sein.
Genauso ist es mit Gott. Der Mensch sieht Ihn nicht und sagt: Er ist nicht. Doch Seine Werke sieht er jeden Tag, in jedem Augenblick seines Lebens, doch er geht achtlos an ihnen vorüber und beachtet sie nicht.
Alles, was Ihr hier seht, Majestät – jeder Baum, jeder Grashalm, ja selbst die Steine – all das zeugt von Seiner Existenz. Das sind Seine Werke, in ihnen lebt Er fort und ist uns nah.“
„So ist auch Gott gestorben und lebt nur noch in Seinen Werken?“
„Nein, Majestät, Er ist nicht gestorben.“ Stefan musste lachen. „Seht Euch die beiden Apfelbäumchen an, die dort auf der Lichtung stehen! Sind sie gleich oder sind sie verschieden?“
Interessiert sah der König in die angegebene Richtung. Die Rede des jungen Grafen gefiel ihm. Von diesem Burschen hatte er noch einiges zu erwarten.
„Nun, sie sind sich gleich und doch auch verschieden. Beides sind Apfelbäume und sehen sich ähnlich, aber jeder hat ein eigenes Aussehen und unterscheidet sich vom anderen.“
„Nicht nur ein eigenes Aussehen, Majestät, ein einzigartiges Aussehen. Kein Baum gleicht dem anderen, keine Pflanze, kein Tier, kein Mensch. Alles ist individuell, einzigartig. Gott hat Sein Werk nicht vollendet, wie ein Philosoph seine Schrift oder ein Maler sein Gemälde. Gott schafft unaufhörlich weiter. Jeden Tag entsteht neues, einzigartiges Leben, jede Stunde, jeden Augenblick. Er ist unaufhörlich tätig und schafft Seine Werke, hier, dort und überall. Die Erde mit allem, was auf ihr lebt, ist Sein Werk, Seine Schöpfung, in der Er sich offenbart. Ja, Majestät, es gibt Gott.“
Stefan schwieg. Nachdenklich blickte der König ihn an. Dann lächelte er, klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und sie setzten ihren Spaziergang fort.
Als sie wieder am Pavillon ankamen, wandte sich der Monarch noch einmal um und sah in den Garten hinunter.
„Ich bereue es nicht, mir noch einmal Zeit für Euch genommen zu haben, lieber Graf. Ihr habt interessante Gedanken. Ganz anders als das, was ich gewöhnlich denke oder zu hören bekomme, aber sehr interessant. Wisst Ihr was?“
Mit einem Ruck wandte er sich Stefan zu.
„Wie wäre es, wenn Ihr statt bei Eurem Onkel eine Zeit hier im Schloss wohnen würdet? Wir würden uns ab und zu sehen, und Ihr könntet mir mehr über Eure wunderlichen Gedanken erzählen. Wäre das keine gute Idee?“
„Nun“, Stefan war sichtlich überrascht, kratzte sich hinterm Ohr, stotterte einige verlegene „Nuns“ und „Äähs“ und nahm das Angebot an. Der König gab ihm darauf die Hand, und sie verabredeten Stefans Übersiedlung ins Schloss für den nächsten Morgen.
Wie betäubt wankte Stefan hinter dem Diener her und hinaus zu seiner Kutsche. Überwältigt ließ er sich in die weichen Polster fallen und musste sich erst ein paarmal kneifen und schütteln, eh er wirklich glauben konnte, dass er nicht träumte. Seine geheimsten Wünsche hatten sich erfüllt. Der König hatte ihm sein Vertrauen geschenkt und ihn als Gast in sein Schloss aufgenommen. Wie war das möglich?
„Zum ‚Walzenden Stiefel‘“, rief er dem Kutscher zu und rieb sich glücklich die Hände. Was würde Janosch für Augen machen, wenn er die Neuigkeit erfahren würde. Hoffentlich war er noch nicht zu seiner Reise aufgebrochen.